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15. August 2020
Unternehmen 22.05.2018

Die On-Demand Pioniere aus Duisburg

Als 1. Verkehrsunternehmen in Deutschland startete die Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) einen On-Demand-Service. Dieser Begriff beschäftigt seit längerer Zeit die gesamte Mobilitätsbranche. Aber was ist überhaupt ein On-Demand-Service?

myBus der Duisburger Verkehrsgesellschaft ©DVG
myBus der Duisburger Verkehrsgesellschaft ©DVG

Wir fragten Ingo Blazejewski, Leiter der Konzernkommunikation der DVG. „Bei uns in Duisburg haben wir momentan fünf Kleinbusse für maximal fünf Personen im Einsatz, die per App bestellt werden können. Die Busse folgen keinem statischen Fahrplan, sondern fahren dynamisch auf Basis der Echtzeit-Nachfrage der Fahrgäste.“

Die Buchung der myBUS-Fahrzeuge, so heißt der Service in Duisburg, erfolgt über die myBUS-App. Per Smartphone können Kunden ihre Fahrtwünsche durch die Eingabe des Start- und Zielpunktes mitteilen. Die Routen für die Busse werden von einem Algorithmus in Echtzeit berechnet. So teilen sich Fahrgäste mit myBUS gemeinsame Fahrten und werden von ihren individuellen Standorten zum gewünschten Ziel gebracht. Bereits die Anfahrt des Busses lässt sich in Echtzeit verfolgen, die Fahrzeuge sind durch den myBUS Schriftzug und durch die auffälligen, roten Flächen gut erkennbar. Sowohl die Buchung des Busses als auch die Bezahlung des Tickets erfolgt ausschließlich per App.

Was uns natürlich besonders interessiert: Was war der Beweggrund für dieses eher ungewöhnliche ÖPNV-Projekt? Birgit Adler ist Projektleiterin von myBUS und bringt es auf den Punkt: „Zum einen wollen wir mit myBUS neue Kunden für den ÖPNV gewinnen, zum anderen bietet sich damit künftig eine Option, die Verkehrsleistung in Randgebieten oder zu schwachen Zeiten flexibler zu gestalten und auf die individuelle Nachfrage der Fahrgäste anzupassen.“

Birgit Adler, Projektleiterin der DVG erzählt über ihre Erfahrungen mit den On-Demand-Bussen ©DVG
Birgit Adler, Projektleiterin der DVG erzählt über ihre Erfahrungen mit den On-Demand-Bussen ©DVG

Die Duisburger haben dieses Projekt in wahrer Startup-Manier schnell auf den Markt gebracht, die Vorlaufzeit betrug gerade einmal sechs Monate. Sie starteten Ende September 2017 mit fünf Bussen, einem kleinen Bediengebiet und -zeiten. Ziel ist es zu lernen und iterativ ihr Angebot zu verbessern. Jede einzelne Fahrt trägt zum Lernprozess des Projektteams bei.

Apropos lernen: Viele Verkehrsunternehmen wollen auch On-Demand-Services in ihren Regionen testen. Die DVG konnte sich vor Austausch-Anfragen fast nicht erwehren. Darum kamen Sie auf die Idee bei uns anzuklopfen, ob wir diese Lernanfragen bündeln könnten und einen Workshop anbieten wollen. Wir ließen uns nicht zweimal bitten. Der Workshop mit dem Titel „On-Demand-Busse: Handlungsempfehlungen am Beispiel Duisburg“ fand Mitte März 2018 im historischen Wasserwerk der Stadtwerke Duisburg AG in Düsseldorf-Bockum statt. Rund 50 Interessierte aus anderen Verkehrsunternehmen und zahlreiche VertreterInnen von Aufgabenträgern machten sich auf den Weg nach Düsseldorf und lernten von den DVG-Erfahrungen.

Till Ackermann vom VDV gab einen Überblick zu Mobilitätstrends. Im Anschluss hörten wir eine Podiumsdiskussion von Projektbeteiligten, moderiert von Martin Schmitz, VDV. Nach der obligatorischen Currywurst starteten wir am Nachmittag in Intensivworkshops. Im Angebot waren die Themen Marketing, Recht, Betrieb und Plattform. Ich habe noch selten eine Veranstaltung mit höherem Lerntransfer erlebt. Die TeilnehmerInnen hatten viele Fragen für die Umsetzung im Gepäck, die VertreterInnen von der DVG gaben wertvolle Tipps und sparten nicht mit Geschichten aus dem Nähkästchen. Das nenne ich Best Practice – so macht Lernen richtig Freude. Ich bin gespannt in welchen Städten wir demnächst über On-Demand-Services hören werden.

Autor

Sabine Prettenhofer

Sabine hat unseren Blog aus der Taufe gehoben. Sie ist unser Trendscout, wenn es um Themen und Geschichten geht. Quasi immer auf der Suche nach spannenden Storys. Sabine ist seit Anfang 2018 bei uns in der Akademie und rührt ständig die Werbetrommel für ihr Heimatland Österreich. Beruflich beschäftigt sie sich mit Kommunikation, Social Media und HR Themen.

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