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15. August 2020
Lernwelten 27.04.2018

E-Learning: individuell, aber sozial

Jahrelang propagierten wir die Individualisierung und soziale Unabhängigkeit von E-Learning Angeboten. Jetzt kehrt die Idee des Klassenzimmers zurück.

Neu ist sie nicht, die Idee, E-Learning nur als Ergänzung zum Face-to-Face Lernen zu sehen und nicht etwa als Ersatz oder Ablösung der herkömmlichen Methoden. Dennoch: Auf der diesjährigen Fachmesse "Learntec" in Karlsruhe ist mir die Verschiebung der Welt des E-Learning hin zu sozialen und gemeinschaftlichen Funktionen besonders aufgefallen. Es gibt Apps, mit denen sich Lernende untereinander austauschen können. Es gibt Experten, die immer wieder betonen, dass das Präsenzlernen nach wie vor eine große Rolle spielt. Es gibt Communities, Foren und soziale Netzwerke für Lernende. Besonders begeistert war ich beispielsweise von der App „Ovos Play“. Über diese Anwendung können Lernende Inhalte anhand von Lernkarten wiederholen und über eine dem Format „Quizduell“ ähnliche Funktion gegeneinander Quizfragen zu den Inhalten beantworten. Nicht nur der Ansatz der Gamification, durch den die Lernmotivation aufgrund der zu erreichenden Punkte und Levels steigt, sondern gerade auch das mobile Lernen mit und gegen Andere halte ich für sinnvoll.

Während der Vorteil von E-Learning auch heute oft in der individuellen Ansprache, in der Ungebundenheit an Raum und Zeit sowie im Zuschneiden von Inhalten auf persönliche Belange gesehen wird, scheinen viele Anbieter von E-Learning Lösungen verstanden zu haben, dass Lernen ein grundsätzlich sozialer und gemeinschaftlicher Prozess ist.

Doch mit einem bloßen Wechsel von individualisierten zu sozialen E-Learning Methoden ist es nicht getan. Ich möchte den Mehrwert der neuen Funktionen eher in einer Kombination aus individualisiertem und sozialem Lernen sehen. Der Vorteil von Online Lernsequenzen liegt nach wie vor in deren zeitlicher und räumlicher Flexibilität. Doch durch unsere zunehmende Mobilität aufgrund von Smartphones und Tablets sind wir nun ebenfalls in der Lage, ortsunabhängig, aber zur gleichen Zeit miteinander zu kommunizieren. Diese Option der gemeinsamen Zeitlichkeit ist eine Spielart von E-Learning, die wir von Webinaren, Skype-Sessions oder Online-Chats bereits kennen. In Zukunft werden diese Möglichkeiten durch Online-Spiele, Virtual Reality Klassenzimmer und Online Gruppenarbeiten noch ergänzt. Hierbei kommt jedoch nicht nur eine neue spielerische, sondern auch eine wettbewerbsorientierte Komponente von E-Learning ins Spiel: Wir können Lerner nun sowohl miteinander als auch gegeneinander "spielen" lassen.

Wichtig ist meiner Meinung nach, dass der Methodenmix dabei mit Bezug auf das Lernziel Sinn ergibt. Gegeneinander auf Schnelligkeit abzielend Definitionen abzufragen ist dort wenig gewinnbringend, wo Lernende zu handlungsfähigen Team-Mitgliedern ausgebildet werden sollen. Ein Online Spiel ist nur dann pädagogisch wertvoll, wenn die Spiel-Szenarien realistische Fähigkeiten und Prozesse abbilden, die die Nutzer im Beruf benötigen.

Dass E-Learning in Zukunft noch sozialer wird, ist zu begrüßen. Doch mein Eindruck auf der Learntec war auch, dass E-Learning Angebote nicht per se gut sind, wenn sie sozial, verspielt oder innovativ sind, sondern wenn sie sich an die Bedürfnisse der Nutzer anpassen können, egal ob sich diese Bedürfnisse durch zeitliche und räumliche Flexibilität, inhaltliche Lernziele, die persönliche Kompetenzentwicklung oder berufliche Perspektiven auszeichnen.

Doch mit einem bloßen Wechsel von individualisierten zu sozialen E-Learning Methoden ist es nicht getan. Ich möchte den Mehrwert der neuen Funktionen eher in einer Kombination aus individualisiertem und sozialem Lernen sehen.

Die Learntec fand im Januar in Karlsruhe statt
Autor

Dr. Katja Kirsten

Wie man am besten Neues lernt – damit könnte sich Katja den ganzen Tag beschäftigen. Und das macht sie auch hier bei uns in der Akademie als pädagogische Beraterin für die Dozenten und als Entwicklerin unserer Online-Lernmodule. Neben dem Lernen schlägt ihr Herz für Schokolade: Wir wissen immer zu wem wir gehen können, wenn wir im Mittagstief Süßigkeiten brauchen.

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