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15. August 2020
Lernwelten 07.05.2018

Hilfe: Die Zukunft fängt jetzt schon an

André Diener, CTO des Cisco Innovation Centers in Berlin, hat uns schon nach den ersten fünf Minuten seines Vortrages abgehängt. Viele große Augen starren ihn an, es wird gekichert, Köpfe werden geschüttelt. André Diener redet von der Zukunft.

André Diener, CTO des Cisco Innovation Centers
André Diener, CTO des Cisco Innovation Centers

Wir, das sind rund zwanzig VertreterInnen aus dem Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung in der ÖPV-Branche. Während unserer "VDV Learning Journey" besuchen wir verschiedene Unternehmen, vor allem um mit diesen über Aus- und Weiterbildungskonzepte im Angesicht der Digitalisierung zu sprechen. Neben einer eindrucksvollen Vorstellung der Cisco Networking Academy, welche kostenlose Online-Kurse zur digitalen Kompetenz anbietet, erwartet uns im Cisco Innovation Center auch ein Einführungsvortrag über die digitale Zukunft und die Chancen, die sie birgt.

Eigentlich sind wir eine Gruppe, die den digitalen Möglichkeiten offen gegenübersteht. Ich selbst kann es kaum erwarten bis wir Virtual und Augmented Reality bezahlbar für unsere Lehrgänge und Bildungsangebote verwenden können. Das Smartphone wird es in 15 Jahren vielleicht nicht mehr geben. Das ist okay für mich. Wie viel einfacher wäre es, wenn wir später Online-Kurse und Lerneinheiten einfach auf Brillen projizieren könnten! Und doch ist der Grat zwischen akzeptierten digitalen Veränderungen und beunruhigenden Zukunftsszenarien sehr sehr schmal. Das merken wir alle in dem Moment, in dem André Diener von Hover Taxis (2022 in Dubai), sogenanntem "Text by Thinking" und sogar von Telepathie spricht. Sensoren werden die Zukunft sein. Viele scheinen zu denken: "In Ordnung, aber ohne mich."

Warum verursachen manche Zukunftsvisionen selbst bei uns aufgeschlossenen Bildungsvertretern ein flaues Gefühl in der Magengegend?

Warum winken wir ab, wenn es um Telepathie geht, hoffend, dass dies nur eine Gedankenspielerei des Computeringeneurs ist, der uns schockieren möchte? Plötzlich geht es uns doch zu schnell mit der Zukunft.

Dieses Gefühl der Panik ist im Grunde kontraproduktiv. Wenn wir nicht bereit sind, die zukünftigen Möglichkeiten der Digitalisierung jetzt mitzudenken und ernst zu nehmen, verspielen wir die Chance, uns frühzeitig zu überlegen, wie wir diese Möglichkeiten in unseren Bereichen nutzen und sogar mitgestalten können. In Berlin geht es um Sensoren, die erfassen können, wie viele Menschen sich in einem bestimmten Raum befinden. Es geht um das Aufzeichnen von Informationen über Staus, Straßenbeschaffenheit und Unfälle mithilfe öffentlicher Verkehrsmittel. Solche Optionen bereits jetzt mitzudenken wird nötig sein, um die Zukunft mitzugestalten und sich nicht nur von und in ihr treiben zu lassen. Auch im Bildungsbereich lohnt es sich, ähnliche Überlegungen schon jetzt anzustellen. Können wir Sensoren nutzen, um Aus- und Weiterbildungsangebote noch individueller zu gestalten, zum Beispiel durch das bessere Dokumentieren von Fehlerquellen in üblichen Prozessen oder durch das Integrieren von Lernsequenzen "on demand" im Alltag?

Die anfängliche Panik über Veränderungen zeigt uns, dass wir die Digitalisierung kritisch hinterfragen müssen, denn natürlich müssen Datenschutz und Privatsphäre unentbehrlich bleiben. Aber diese Panik lähmt uns auch. Sie hält uns eventuell davon ab, aktive Gestalter zu sein und gibt uns stattdessen das Gefühl, dass die Digitalisierung einer Naturgewalt ähnelt, die uns ungefragt überwältigt. Dieses Gefühl können wir aber nur vermeiden, wenn wir die Möglichkeiten der Digitalisierung nicht immer nur in die ferne Zukunft schieben, sondern sie uns vergegenwärtigen. Ich persönlich lerne daraus, dass ich offen für Neues bleiben möchte und während meiner Arbeit im E-Learning-Bereich immer wieder überlegen will, wie ich neue Technologien für mich in Zukunft fruchtbar einsetzen kann.

Wie die berufliche Aus- und Weiterbildung von der Digitalisierung profitieren kann, müssen wir schon jetzt langfristig planen: Die Zukunft ist jetzt.

Das Cisco Innovation Center in Berlin
Das Cisco Innovation Center in Berlin
Autor

Dr. Katja Kirsten

Wie man am besten Neues lernt – damit könnte sich Katja den ganzen Tag beschäftigen. Und das macht sie auch hier bei uns in der Akademie als pädagogische Beraterin für die Dozenten und als Entwicklerin unserer Online-Lernmodule. Neben dem Lernen schlägt ihr Herz für Schokolade: Wir wissen immer zu wem wir gehen können, wenn wir im Mittagstief Süßigkeiten brauchen.

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