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24. April 2019
Unternehmen 11.04.2019

Fachtagung zum Projekt 'ÖPNV 4.0' bei Ver.di

Seit einem Jahr sind wir als VDV-Akademie Transferpartner des geförderten Projekts „ÖPNV 4.0 – den digitalen Wandel der Arbeit sozialpartnerschaftlich gestalten.“ Zur Projekthalbzeit veranstaltete ver.di am 3. April eine Fachtagung in Düsseldorf.

Die Umsetzungsbetriebe sind Verkehrsunternehmen und bearbeiten folgende Projekte:

  • Aktiv Bus Flensburg:
    Mobile Devices - Arbeitssteuerung 4.0
  • KVB:
    Digitales Lernen - Weiterbildung 4.0
  • Rheinbahn:
    HRM 4.0 – Cloud-Work/Homeoffice
  • MVG Märkische Verkehrsgesellschaft:
    Vertriebshintergrundsystem
  • WSW Wuppertaler Stadtwerke:
    Digitale Ferndiagnose & Wartung
  • Bogestra:
    3D-Druck in Werkstatt und Lager

Sechs sehr unterschiedliche Projekte, aber alle Vorhaben eint das Thema 'Digitalisierung der Arbeit'. Im Zuge der Fachtagung präsentierten UnternehmensvertreterInnen und Betriebsräte den Projektfortschritt und standen den BesucherInnen Rede und Antwort.

Neben den Projekten hörten wir auch spannende Vorträge. Einige Aussagen sind mir besonders in Erinnerung geblieben und möchte ich kurz zusammenfassen.

Welche Auswirkungen hat Digitalisierung auf den deutschen Arbeitsmarkt?

Michael Fischer von ver.di zitierte eine IAB-Studie (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung), die folgendes besagt: Es werden viele Berufsbilder verschwinden, aber auch viele neue entstehen. In Summe prognostiziert die Studie, dass ‚nur‘ ca. 60.000 Jobs in Deutschland durch die Digitalisierung bis 2030 wegfallen werden. Dieser Zahl können wir relativ gelassen entgegenblicken, wenn wir an den demografischen Wandel denken. Aber die Jobprofile werden sich stark ändern. Darum ist es wichtig, schon frühzeitig in die Aus- und Weiterbildung zu investieren. Eine weitere interessante Prognose von Fischer: Arbeitsplätze im Bereich Security werden kräftig ansteigen.

Der Kreislauf des Misstrauens bei Digitalisierungs-Projekten

Michaela Evans vom Institut Arbeit und Technik zeigte eine besonders spannende Folie: der Kreislauf von Digitalisierungs-Projekten. Ich nenne es salopp den Kreislauf des Misstrauens. Die Erinnerung an vergangene IT-Projekte ist bei den meisten Mitarbeitenden negativ geprägt. Gründe dafür sind:

  • Aufgrund von knappen Ressourcen und Prozessverzögerungen werden auf Beteiligungsstrategien verzichtet.
  • Sehr oft werden IT-Projekte top-down eingeführt.
  • Es kommt zu unintendierte Folgen, wie Generationenkonflikte oder Kompetenzdefizite.
  • Fehlender Nutzenevaluation- und kommunikation und keine fach- und bereichsübergreifende Lernperspektive führen weiter zu Akzeptanzprobleme, Blockadehaltungen und Erwartungsenttäuschung.

Diesen Kreislauf haben viele Mitarbeitende in Unternehmen kennengelernt und sich eingeprägt. Wenn ein neues IT-Projekt ausgerufen wird, hält sich die Freude oft in Grenzen. Michaela Evans: "Geregelte, transparente und vertrauensvolle Beteiligungsverfahren zahlen sich aus!"

An der abschließenden Plenumsdiskussion nahmen Sophie von Saldern, Personalleiterin der KVB und Harald Kraus, Vorsitzender des Betriebsrats der KVB teil. Sie waren sich einig, dass Unternehmen motivierte, gut ausgebildete Fachkräfte brauchen. Von Saldern appellierte an die Eigeninitiative der Belegschaft, wenn es um das Lernen geht. Unternehmen müssen klarerweise Lerninhalte und Bildungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen. Aber es braucht auch das Eigenengagement der Lernenden, Konsumhaltung führt zu wenig Lernerfolg. Kraus forderte auf der anderen Seite finanzielle Spielräume für gute Arbeit von der Unternehmensseite ein. Und es war ihm sehr wichtig, dass Technik nicht Selbstzweck sein darf, sondern den Mitarbeitenden dienen muss.

Mira Ball von ver.di betonte die Wichtigkeit von einem gemeinsamen Verständnis des digitalen Wandels und guter Arbeit. Es macht ihrer Sicht einen Unterschied, ob man Mitarbeitende mitnimmt oder beteiligt. Mitnehmen ist passiv, Beteiligung bedeutet eine aktive Mitgestaltung. Abschließend zeichnete Gisbert Schlotzhauer das Bild einer gemeinsamen Lernreise von Arbeitgeberseite und Betriebsräten. Er betonte, dass das Fördern und Fordern der Mitarbeitenden ausbalanciert sein muss.

vlnr.: Sophie von Saldern, Wolfgang Nettelstroth, Mira Ball, Harald Kraus, Gisbert Schlotzhauer ©Joe Kramer|Photodesign

Wie geht es weiter im Projekt?

In den nächsten Monaten finden drei Konkretisierungsworskhops statt. Am Ende des Projekts 'ÖPNV 4.0' sollen ein Kriterienkatalog für 'Gute Arbeit ÖPNV 4.0' und ein Leitbild für 'Arbeit im ÖPNV 4.0' gemeinsam von Sozialpartnern und Verkehrsunternehmen entwickelt werden.

Wenn Sie Fragen zu den einzelnen Projekten der sechs Verkehrsunternehmen haben, können Sie mich gerne kontaktieren (prettenhofer[at]vdv.de). Ich werde Sie mit den Projektverantwortlichen vernetzen.

Hier finden Sie Projekt-Website.

Autor

Sabine Prettenhofer

Sabine hat unseren Blog aus der Taufe gehoben. Sie ist unser Trendscout, wenn es um Themen und Geschichten geht. Quasi immer auf der Suche nach spannenden Storys. Sabine ist seit Anfang 2018 bei uns in der Akademie und rührt ständig die Werbetrommel für ihr Heimatland Österreich. Beruflich beschäftigt sie sich mit Kommunikation, Social Media und HR Themen.

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