Das Vorhaben INNOVA - Innovationsstrategien für Verkehrsunternehmen mit alternden Belegschaften - hat die Branche des kommunalen Personennahverkehrs in NRW auf die Anforderungen des demografischen Wandels vorbereitet. Es wurde in den Jahren 2006 und 2007 durchgeführt. Die Verkehrsunternehmen wurden befähigt, innovative Gestaltungsmaßnahmen zur langfristigen Förderung der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit einzuleiten und umzusetzen. Dabei wurde davon ausgegangen, dass sich die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten mit ihrem Alter wandelt und insbesondere differenziert. Der Erhalt der Arbeitsfähigkeit wurde im Kontext von Gesundheit, Qualifikation und Motivation gewährleistet. Nachhaltige Personalmanagement-Strategien hatten dies zu berücksichtigen.
Primäre Zielgruppen des Vorhabens waren:
- Betriebliche Entscheidungsträger und Akteure in Verkehrsunternehmen
- Die Beschäftigten in den Verkehrsunternehmen
- Überbetriebliche Multiplikatoren.
Das Projekt
Bei INNOVA handelte es sich um ein umsetzungsorientiertes Modellprojekt. Hierfür sind die einschlägigen Erkenntnisse und Ergebnisse der Arbeitsforschung zur Branche und zum demografischen Wandel systematisch aufgearbeitet worden und in das Vorhaben eingeflossen.
Das Projekt wurde mit sechs Modellbetrieben unterschiedlicher Größe und Dienstleistungsangebote durchgeführt. Es waren dies die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG, die Dürener Kreisbahn, die Kölner Verkehrs-Betriebe AG, die Märkische Verkehrs-Gesellschaft, die Oberbergische Verkehrsgesellschaft und die Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr.
Das Projektteam wurde von drei Beratungs- bzw. Bildungseinrichtungen getragen: der VDV-Akademie als Bildungseinrichtung des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV); der unabhängigen Beratungs-, Forschungs- und Qualifizierungs-Einrichtung MA&T Sell & Partner in Köln; der prospektiv Gesellschaft für betriebliche Zukunftsgestaltungen mbH in Dortmund.
Als beratende und sog. strategische Partner, insbesondere in der Produktentwicklungs- und Transferphase, standen die Berufsgenossenschaft Bahnen und das BiBB Bundesinstitut für Berufsbildung zur Verfügung.
Das Projekt hatte eine Laufzeit bis 31. Dezember 2007 und wurde vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein Westfalen sowie vom Sozialfonds der Europäischen Union gefördert.
Schwerpunkte des Projekts
Breitenerhebung zur Alters- und Beschäftigtenstruktur in der ÖPNV-Branche in NRW
Sachstand: Es wurde eine Breitenerhebung bei den VDV-Mitgliedsunternehmen in NRW durchgeführt. Von 43 angeschriebenen Verkehrsunternehmen haben 16 geantwortet. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 37,2 %.
Im Ergebnis unterscheiden sich- die Einschätzung der Entwicklungstrends im Verkehrsmarkt
- die Alterstruktur nach Aufteilung in Alterskohorten
- die Anteile an Frauen und Teilzeitkräften
So sieht z.B. die überwiegende Mehrzahl der Unternehmen große Herausforderungen bei- der Ausbildung von Jugendlichen als Basis einer nachhaltigen Personalpolitik
- der Realisierung von Service- und der Dienstleistungsqualität in der Zielhierarchie der Verkehrsunternehmen
- den steigenden Anforderungen an das Fahrpersonal in fachlicher und sozialer Hinsicht
- den wachsenden gesundheitlichen und psycho-sozialen Belastungsfaktoren
- den Bemühungen um den Erhalt der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit.
Durchführung betrieblicher Altersstrukturanalysen
Sachstand: Die betrieblichen Alterstrukturanalysen wurden in den sechs Modellbetrieben durchgeführt. Ein Vergleich der Ergebnisse zeigt – in unterschiedlichen Ausprägungen und Gestaltungsfeldern – bei allen Unternehmen dringenden Entwicklungsbedarf zur Sicherung ihrer künftigen personalen Handlungsfähigkeit.
Die Modellbetriebe haben gemäß der eigenen Handlungs-Prioritäten die Arbeit an den für sie besonders aktuellen Themenfeldern aufgenommen.
Allen Unternehmen wurde aber auch deutlich, dass ein ganzheitlicher Ansatz zur Bewältigung der demographischen Herausforderungen notwendig ist. In diesem Sinne wurden Strategien zum Aufbau nachhaltiger demografiefester Personalkonzepte als zwingend angesehen.
Die Ergebnisse der Alterstrukturanalysen sind hier eingestellt.Bestandsaufnahme der jungen Berufsbilder „Kaufmann/frau für Verkehrsservice“ und „Fachkraft im Fahrbetrieb“
Sachstand: Zur Bestandsaufnahme der noch jungen Berufsbilder „Kauffrau/mann für Verkehrsservice“ und „Fachkraft im Fahrbetrieb“ wurde ein Interviewleitfaden entwickelt. Mit diesem Leitfaden wurden sowohl die Verantwortlichen im Verkehrsunternehmen als auch die ausgebildeten Jugendlichen zu den beiden Berufsbildern und deren Nutzen für die Unternehmen und die Berufstätigen befragt.
Mit den gewonnenen Erkenntnissen wurden beide Berufsbilder im Sinne einer langfristig zu sichernden Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit weiterentwickelt.Analyse der Anforderungen an eine alternsgerechte Qualifizierung
Sachstand: Ein erstes Analyse-Konzept für eine alternsgerechte Qualifizierung wurde erstellt. Dieses Konzept beruht dabei auf folgenden Fragen:- Welche Definition von Qualifizierung findet sich z.Zt. im TvöD?
- Was sind die Grundlagen und Zielstellung betrieblicher Qualifizierung?
- Wie erfolgt die Qualifizierungsbedarfsermittlung?
- Wie kommen wir von der Vision zur Qualifizierungsmaßnahme?
- Wie erreichen wir eine differenzierte Betrachtung von Fähigkeiten?
- Welches Vorgehensmodell soll gewählt werden?
- Was findet sich zum Thema in der Literatur?
Analyse gesundheitlicher Beeinträchtigung bei einseitig belastenden Tätigkeiten und solchen mit begrenzter Dauer
Sachstand: Zur praxisorientierten Analyse gesundheitlicher Beeinträchtigungen bei FahrerInnen wurden Workshops mit den Beteiligten in verschiedenen Modellbetrieben durchgeführt. Dabei wurden die Analysen an den Erfahrungen der Betroffenen sowie ihren Vorstellungen zur Aufrechterhaltung von Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit ausgerichtet.
Im Fokus der Diskussionen standen dabei weniger die Reduzierung der – häufig nicht vermeidbaren – Belastungssituationen, sondern vielmehr die Entwicklung der Ressourcen der MitarbeiterInnen des Fahrdienstes Bus und Bahn.
Die Ergebnisse der Diskussionen wurden in sog. Handlungsplänen zusammengefasst und zur weiteren Bearbeitung den jeweiligen betrieblichen Projektteams vorgestellt. Verschiedene Beschlüsse zur Umsetzung ressourcenorientierter Aktivitäten im Zuge der strategischen Ausrichtung auf die Zukunftsfähigkeit der betroffenen Modellbetriebe wurden gefasst.Formulierung genderspezifischer Aufgaben und Anforderungen in Verkehrsunternehmen
Sachstand: Im Zusammenhang mit den Altersstrukturanalysen und den daraus abzuleitenden betrieblichen Projekten wurden die genderspezifischen Aufgaben und Anforderungen an die Modellbetriebe herausgearbeitet. Im Sinne eines Benchmark wurden die entsprechenden Herausforderungen in einer Erfahrungsaustausch–Gruppe vertiefend bearbeitet.
Die für die einzelnen Gestaltungsfelder erarbeiteten Checklisten (s. hier) greifen diese Themen weiterführend auf.
Der bundesweite Transfer der Projektergebnisse in die Branche und darüber hinaus wurde durch Projekt-Rundbriefe und mehrere Transferveranstaltungen, durch Austausch und Kooperation mit anderen Akteuren und Projekten der Landes-Initiativen ARBID und GIGA gefördert. Das Projekt wurde außerdem vom zuständigen Fachbereich 11 „Verkehr“ der Gewerkschaft ver.di, Bezirk NRW, unterstützt.
Produkte
Im Rahmen des Projektes wurden verschiedene Produkte entwickelt:
- Handlungshilfe für die betriebliche Personalarbeit zur proaktiven Gestaltung des demografischen Wandels in Verkehrsunternehmen
- Handlungshilfe zur Gestaltung von Erwerbsverläufen bei sog. Tätigkeiten mit begrenzter Dauer (insbesondere Fahrdiensttätigkeit)
- Handlungshilfe zur präventiven Förderung der Arbeitsfähigkeit mittels Einführung von ressourcenorientierten Gesundheitsmanagements
- Leitfaden zum Aufbau eines betrieblichen Wiedereingliederungsmanagements
- Leitfaden „Beispiele guter Praxis zur Bewältigung des demografischen Wandels“
- Dozentenleitfäden
- Transferworkshops
- Projekt-Rundbriefe
















