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19. März 2019
Unternehmen 19.12.2018

Agile Teams bei der Hamburger Hochbahn AG

Christian Langrock arbeitet seit Mitte 2017 bei der Hamburger Hochbahn AG und auf seiner Visitenkarte steht Innovationsmanager. Google sagt mir, dass er ein Quereinsteiger in unsere Branche ist. Digitalisierung ist schon lange sein Metier und neben seiner Selbständigkeit war er früher bei OTTO, Immonet und Parship tätig. Wir haben Christian in Hamburg besucht und er erzählte uns über die ersten agilen Schritte der HOCHBAHN.

Das Vorstandsteam rund um den Vorsitzenden Henrik Falk hat eine zukunftweisende Vision und Mission für die HOCHBAHN entwickelt und sieht Digitalisierung als Game Changer: Die Geschwindigkeit am Markt wurde größer, neue Angebote entstehen, das Konsumentenverhalten orientiert sich an neuen Standards. Die Erwartungshaltung der Kunden steigt quasi mit jedem Smartphone-Update.

VUCA is the new normal

VUCA ist ein Akronym für die englischen Begriffe volatility, uncertainty, complexity und ambiguity. Übersetzt heißt das: Unser Umfeld ist unbeständig, unsicher, komplex und mehrdeutig geworden. Das trifft natürlich auch auf die Mobilitätsbranche zu und somit auf die HOCHBAHN und jedes andere Verkehrsunternehmen. Langrock: „Damit müssen wir leben lernen und es bedeutet, dass wir Dinge hinterfragen müssen. Die Unternehmenskultur ist ein Erfolgsfaktor in dieser Welt. Darum muss sich auch die HOCHBAHN weiterentwickeln.“

Folgende Aspekte gilt es zu berücksichtigen:

• eine Fehler-, Feedback- und Innovationskultur aktiv fördern,

• neue Arbeitsweisen und Methoden bewerten, erlernen und ausprobieren,

• intensiv über Ressort- und Bereichsgrenzen hinaus konzipieren,

• Entscheidungsprozesse beschleunigen, z.B. rasch entscheiden, ob eine Idee weiterverfolgt wird oder nicht,

• Kundenorientierung noch stärker in das Zentrum stellen.

Ambidextrie: Performance & Innovation schaffen

Ein Phänomen beschäftigt Christian Langrock besonders: Die Ambidextrie oder Beidhändigkeit. Soll heißen: Einerseits muss das Alltagsgeschäft weiterhin in bester Qualität geliefert werden und gleichzeitig müssen Innovationen vorangetrieben werden. Kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch. Das ist die große Herausforderung in dieser VUCA-Welt.

„Das Wertemodell ist eine solide Basis und hat unser Geschäft wachsen lassen. Dieses muss nun um einige Elemente ergänzt bzw. weiterentwickelt werden, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein“, so Langrock. „Der heute funktionierende Performance Engine muss um einen Innovation Engine ergänzt werden, der neue, eigene, ergänzende Werte ausprägt.“

Soviel zur Theorie, aber wie sieht die agile Herangehensweise bei der HOCHBAHN konkret aus?

 • Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter hat die Möglichkeit, an Schnupperworkshops teilzunehmen, um einen ersten Einblick in die agilen Prinzipien zu erhalten.

• Haben sie Interesse, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen, werden sie zu einem Orientierungstag eingeladen, um tiefer in die Thematik einzutauchen.

• Wurden sie mit dem „agilen Virus“ angesteckt und die Führungskraft nutzt ihr Vetorecht nicht, werden sie Teil eines agilen Teams und lernen die Design-Thinking-Grundlagen kennen.

• Innerhalb der 6-wöchigen Projektphase arbeitet das Team begleitet von Design Thinking Coaches an einer echten Problemstellung aus Kundensicht. Ein Investor (BereichsleiterIn) gibt diese Themenstellung vor. Gearbeitet wird in den neuen agilen Projekträumen der HOCHABAHN.

• Nach den sechs Wochen werden die Ergebnisse dem Investor präsentiert und er hat die Möglichkeit, die Ergebnisse und den Prototypen in seinem Bereich weiter zu nutzen.

• Zum Abschluss werden in einer ausführlichen Retro- und Review-Runde die Erkenntnisse bewertet und die Teilnehmenden der Teams gehen zurück in ihre Abteilung. Bestenfalls agieren die Alumni als agile Botschafter. Unterstützt werden diese durch Coaches, um das Agile Mindset weiter ins Unternehmen zu tragen.

Die agilen Teams bei der Arbeit
Die agilen Teams bei der Arbeit

Seit Start dieser Arbeitsweise haben bisher rund 50 Mitarbeitende der HOCHBAHN diesen agilen Zyklus komplett durchlaufen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind größtenteils total motiviert und das Projekt „Self-Service-Terminals“ war z.B. ein voller Erfolg für das gesamte Unternehmen. Hierbei handelt es sich um eine Weiterentwicklung der heutigen Fahrkartenautomaten. Es gab aber auch schon Projektergebnisse, bei dem der Investor und die Teilnehmenden weniger zufrieden waren. Auch das gehört dazu. „Das ist schmerzhaft für alle Beteiligten. Aber aus den Fehlern lernen wir sehr viel. Mit jeder Runde können wir das Erlernte anwenden und verbessern uns so kontinuierlich. Die Einführung der agilen Arbeitsweise erfolgt in einem sogenannten Transition Team, das selbst nach den agilen Prinzipien vorgeht. Die Einführung der agilen Arbeitsweise ist für uns wie eine Expedition ohne Landkarte. Es ist noch ein sehr langer Weg, aber die ersten Kilometer haben wir geschafft“, meint Christian Langrock.

Christian Langrock begleitet als Innovationsmanager die agile Reise der HOCHBAHN
Christian Langrock begleitet als Innovationsmanager die agile Reise der HOCHBAHN

SeminarTipp:

Die VDV-Akademie veranstaltet das Seminar "Agiles Arbeiten" in den agilen Projekträumen der Hamburger Hochbahn AG. Christian Langrock wird auch vor Ort sein und von seinen Erfahrungen berichten. Der erste Termin im Februar ist schon ausgebucht - im Mai sind noch Plätze frei.

Autor

Sabine Prettenhofer

Sabine hat unseren Blog aus der Taufe gehoben. Sie ist unser Trendscout, wenn es um Themen und Geschichten geht. Quasi immer auf der Suche nach spannenden Storys. Sabine ist seit Anfang 2018 bei uns in der Akademie und rührt ständig die Werbetrommel für ihr Heimatland Österreich. Beruflich beschäftigt sie sich mit Kommunikation, Social Media und HR Themen.

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