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People and Culture

Deutsch für den Fahrdienst

Die Kommunikation per Funk zwischen Fahrzeug und Leitstelle ist durch technische Ausstattungen schon per se schwierig zu verstehen. Stellen Sie sich nun vor, ein bayrischer Busfahrer hilft wegen Personalmangels in einem sächsischen Unternehmen aus. Da sind Missverständnisse zwischen Fahrpersonal und Leitstelle vorprogrammiert. Noch herausfordernder ist die Situation täglich für Fahrpersonale, die die deutsche Sprache gerade erlernen.

Drei fröhliche Mitarbeitende der VDV-Akademie halten Schilder hoch, auf denen Vorteile von Sprache im Berufskontext stehen.

Katrin, Melike und Charlotte kommen in ihrer Arbeit für die VDV-Akademie häufig mit Verkehrsunternehmen in Kontakt, die ihnen solche Situationen aus ihrem Alltag schildern und nach Lösungen für dieses Dilemma suchen. Daraus ergab sich die Motivation, über Sprachförderangebote für Verkehrsunternehmen nachzudenken. Gute Gründe für Sprachförderung im Betrieb liegen auf der Hand.

Sprache schafft eine inklusivere, effizientere und wertschätzende Arbeitskultur, die sich positiv auf die Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeitenden auswirkt

Eine klare und effektive Kommunikation am Arbeitsplatz trägt maßgeblich zur Zufriedenheit der Mitarbeitenden bei. Missverständnisse und Fehler werden reduziert, während Mitarbeitende ihre Anliegen, Ideen und Bedürfnisse besser ausdrücken können. Gleichzeitig fördert Sprachförderung die Integration und den Teamzusammenhalt, indem Sprachbarrieren abgebaut und das Gemeinschaftsgefühl gestärkt werden. Ein inklusives Arbeitsumfeld steigert das Zugehörigkeitsgefühl und die Motivation der Mitarbeitenden.

Zudem verbessert sich durch Sprachförderung die Chancengleichheit, da Mitarbeitende mit besseren Sprachkenntnissen größere Aufstiegsmöglichkeiten haben und aktiver an Weiterbildungen, Meetings und strategischen Diskussionen teilnehmen können. Dies trägt nicht nur zur persönlichen Weiterentwicklung bei, sondern auch zur langfristigen Karriereplanung. Gleichzeitig führt eine höhere sprachliche Sicherheit zu weniger Stress und mehr Selbstbewusstsein, da die Angst vor Fehlern oder Missverständnissen abnimmt. Wer sich sicher ausdrücken kann, entwickelt eine positivere Einstellung zur Arbeit.

Auch die Arbeitsleistung und Produktivität profitieren, da eine klarere Kommunikation die Erfüllung von Aufgaben erleichtert und das Gefühl der Kompetenz stärkt. Mitarbeitende arbeiten effizienter und fühlen sich insgesamt wohler in ihrem Arbeitsumfeld. Darüber hinaus zeigt Sprachförderung, dass der/die Arbeitgebende in seine/ihre Mitarbeitenden investiert, was die Wertschätzung und emotionale Bindung an das Unternehmen erhöht.

Sprache verbessert die Kommunikation im Team und das effiziente Arbeiten – auch mit Blick auf den Sicherheitsaspekt

Eine funktionierende Kommunikation ist das Herzstück eines erfolgreichen ÖPNV-Betriebs. Gerade in einem Arbeitsumfeld, in dem Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen zusammenarbeiten, können Sprachbarrieren zu Missverständnissen führen – sei es zwischen Kolleg*innen – etwa beim Schichtwechsel – oder im Kontakt mit Fahrgästen. Deshalb sind gezielte Deutschangebote für Mitarbeitende im öffentlichen Nahverkehr nicht nur ein Zeichen von Wertschätzung, sondern ein essenzieller Baustein für einen reibungslosen und sicheren Arbeitsalltag.

Auch die Sicherheit hängt von Verständigung ab: In Notfällen müssen Mitarbeitende klare Anweisungen geben und empfangen können. Unklare Kommunikation mit der Leitstelle oder Rettungskräften kann wertvolle Zeit kosten. Ebenso wichtig ist das sichere Verstehen betrieblicher Anweisungen und Sicherheitsvorschriften.

Zudem steigern bessere Sprachkenntnisse die Effizienz. Mitarbeitende arbeiten selbstständiger, benötigen weniger Rückfragen und fühlen sich sicherer im Umgang mit digitalen Tools und schriftlichen Anweisungen. Dies spart Zeit und verbessert die Arbeitsqualität.

Unternehmen, die in Sprachförderung investieren, profitieren von besseren Betriebsabläufen, höherer Sicherheit und zufriedeneren Mitarbeitenden – und letztlich auch von einem besseren Service für die Fahrgäste.

Sprache braucht mehr als nur Vokabeln, aber was genau brauchen die Verkehrsunternehmen?

Nun stellt sich die Frage, wie solch ein arbeitsplatzbezogenes Sprachförderangebot aussehen soll. In der ÖV-Branche kann man selten vorgefertigte Konzepte aus der Schublade ziehen und hoffen, dass es eine einfache Lösung für alle gibt. Klassische Unterrichtskonzepte wie Integrationskurse der Volkshochschule (VHS), bei denen Teilnehmende täglich mehrstündige Unterrichtsblöcke in Präsenz besuchen, sind schwer umzusetzen, da unsere Zielgruppe in Schichten arbeitet und aufgrund des Fahrpersonalmangels i. d. R. nur eine sehr geringe Personenanzahl gleichzeitig freigestellt werden kann. Aber eine Vokabelliste mit wichtigen Fachwörtern allein reicht nicht aus.

Während der Corona-Pandemie etablierte sich der Unterricht für Deutsch als Zweitsprache (DaZ) in Form von Videokonferenzen, unterstützt durch digitale Lehrwerke. Damit könnte man Mitarbeitende mehrerer Verkehrsunternehmen in Online-Kursen zusammenbringen, um mehr Fahrer*innen zu erreichen. Aber auch hier stellt sich die Frage, wie man Termine und Zeitfenster findet, an denen möglichst viele teilnehmen können. Außerdem muss allen Teilnehmenden die entsprechende Ausstattung zur Verfügung stehen, z. B. Laptops, Tablets und stabiles WLAN. Hier sollten wir im Austausch mit den Verkehrsunternehmen herausfinden, wie solch ein Kurs überhaupt stattfinden kann.

Wenn diese Herausforderung gelöst ist, folgt direkt die nächste: Was genau müssen die Fahrer*innen eigentlich lernen? Allgemeinsprachliche DaZ-Kurse haben das Ziel, dass sich die Lernenden in den wichtigsten alltäglichen Lebensbereichen wie z. B. „Einkaufen“ und „Gesundheit“ zurechtfinden. Dazu werden die dafür notwendigen (sprachlichen) Werkzeuge systematisch vermittelt: Wortschatz, Grammatik, Aussprache, aber auch interkulturelles und landeskundliches Wissen. Hierfür gibt es Lehrwerke und gut ausgearbeitete Curricula. Aber – wir ahnen es schon – in unserem Fall können wir diese nur bedingt nutzen, denn ein Schulungsangebot „Deutsch für den Fahrdienst“ soll spezielle arbeitsplatzbezogene Sprache vermitteln.

Es gibt mittlerweile Konzepte für Berufssprachkurse (BSK), in denen berufsbezogenes Deutsch vermittelt wird, jedoch nicht für die speziellen Anforderungen von Fahrer*innen. Hilfreich sind die Erkenntnisse in dem Bereich trotzdem, denn viele sprachliche Situationen, z. B. Konfliktgespräche mit Kund*innen oder das Melden von Störungen an Arbeitsgeräten, können übertragen und Lehrwerke sowie Methoden genutzt werden. Für einzelne Berufsgruppen wie Pflege oder Tourismus gibt es sogar schon spezifische Lehrbücher oder Fachwortschatztrainer.

Für „Deutsch für den Fahrdienst“ gibt es das noch nicht. Also sind wir gefragt, herauszufinden, wie genau die Sprache aussieht, die der Fahrdienst benutzt und benötigt: Wo gibt es Probleme, die auf Verständigungsschwierigkeiten zurückzuführen sind? Was sind typische Situationen, in denen Fahrer*innen sicher mit Fahrgästen oder der Leitstelle kommunizieren müssen? Welche Fachwörter sind dabei unentbehrlich? Was müssen Fahrer*innen lesen und schreiben können? Hier müssen wir nah an den Verkehrsunternehmen sein und den Berufsalltag von Fahrer*innen genau untersuchen, um ein passgenaues Sprachförderangebot für den Fahrdienst zu konzipieren.

Sie kennen das auch oder finden sich hier wieder? Dann lassen Sie uns gerne in den Austausch gehen.

Autor:in

Katrin Sonntag Portrait Webseite Katrin Sonntag

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Sprachliche Kompetenzen sind wichtig für die Arbeit im Fahrdienst. Wir planen ein Sprachförderangebot für Fahrer*innen im ÖPNV. Bitte nehmen Sie sich kurz Zeit, um uns einige Fragen zu beantworten, damit wir unser Schulungsangebot bestmöglich auf Ihre Anforderungen zuschneiden können.

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